Erfolgsgeschichten: Bitpanda Hamburg Open 2026 – ein Pokal für 134 Jahre Tennis
Inhalt
Der Auftrag
Die Bitpanda Hamburg Open sind kein junges Turnier auf der Suche nach seiner Identität. Erstmals 1892 ausgetragen, zählen sie zu den ältesten Veranstaltungen der ATP-Tour: 134 Jahre Wettkampf auf derselben roten Asche, in derselben Stadt, vor demselben treuen Publikum.
Ihre Heimstätte, das Stadion am Rothenbaum, steht seit 1924. Die Ausgabe 2026 war die 120. Auflage des Herrenwettbewerbs. Der Auftrag war klar umrissen: vier Pokale zu gestalten, die zu diesem Turnier gehören könnten und zu keinem anderen.
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Die gestalterische Herausforderung
Die Gestaltung von Pokalen gelingt, wenn sie mehrere Bezüge zu einer einzigen stimmigen Geometrie verdichtet, statt sie wörtlich abzubilden – und das Briefing für Hamburg kam mit ungewöhnlicher Klarheit: ein vertikaler Totem, dessen Körper sich aus unregelmäßigen geometrischen Facetten aufbaut und von einer Form gekrönt wird, die für die Kuppel des Stadions selbst stehen kann.
Um diese Bedeutung in das Objekt einzuschreiben, ohne auf Illustration oder wörtliche Metaphern zurückzugreifen, arbeiteten wir mit der Designerin Laura Talaya zusammen, um drei strukturelle Bezugspunkte zu bestimmen, die jede formale Entscheidung leiten sollten:
- Die rote Asche des Sandplatzes, die den Charakter des Turniers und das Spieltempo prägt
- Das Tensegrity-Dach des Rothenbaum – ein System aus Seilen unter Zug und starren Stäben unter Druck, das eine der markantesten Stadionsilhouetten des europäischen Tennis hervorbringt
- Die visuelle Identität von Bitpanda, dem Hauptsponsor des Turniers, dessen digital geprägte Ästhetik eine Einbindung ohne Dominanz verlangte
Die Konzeptphase kam rasch voran – zwei, drei Richtungen genügten, um die Logik des Totems festzulegen –, doch diese Logik in eine stimmige 3D-Form zu übersetzen, erwies sich als schwieriger: sechs aufeinanderfolgende Modellierungsdurchläufe waren nötig, um die Facettenwinkel und die Volumenübergänge über alle vier Versionen hinweg zu lösen.
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Vier Versionen, eine gemeinsame Bildsprache.
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Wir haben diese Kollektion in Polyamid gefertigt – einem aus Nylon gewonnenen Werkstoff – mittels selektivem Lasersintern (SLS), bei dem aufeinanderfolgende Pulverschichten mit einem Laser verschmolzen werden, bis jedes Stück vollendet ist. Maßgeschneiderte Pokale, die von Grund auf um eine einzige facettierte Geometrie herum aufgebaut werden, lassen keinen Raum für eine Gussform; das SLS-Verfahren war der einzige Weg, die kantigen Schnitte des Entwurfs über alle vier Versionen hinweg umzusetzen.
Die wesentlichen Gestaltungsentscheidungen wurden nacheinander gelöst:
- Struktur: eine kegelstumpfförmige Gestalt, die sich zur Mitte hin verjüngt, um die Vertikalität zu betonen und eine unverwechselbare Silhouette zu erzeugen
- Oberer Abschnitt: kantige Schnitte und auskragende Volumen, die das Tensegrity-Dach in physische Form übersetzen – architektonisch im Bezug, präzise in der Ausführung
- Farbverlauf: das tiefe Kobaltblau am Fuß verweist auf die digitale Identität von Bitpanda; das Rot in der Mitte ruft die rote Asche hervor; das Weiß an der Spitze fängt die Helligkeit eines Nachmittags am Rothenbaum ein
- Vier Versionen: Sieger, Finalist, Doppelsieger und Doppelfinalist – jede in Höhe und Proportion angepasst, vereint durch dieselbe formale Sprache
Der Siegerpokal ist 50 cm hoch und wiegt 4 kg. Der Farbverlauf erwies sich als die schwierigste Etappe: einen gleichmäßigen Übergang über einen Körper zu erzielen, der aus Dutzenden unregelmäßiger Facetten besteht, die Licht und Farbe jeweils anders aufnehmen, erforderte wiederholtes Kalibrieren, bis die Farbe aus jedem Blickwinkel stimmig wirkte.
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Das Objekt
Vier Versionen, eine gemeinsame Bildsprache. Ein maßgeschneiderter Auftrag ist nicht bloß eine ästhetische Übung – er ist ein Akt des institutionellen Gedächtnisses. Wenn der letzte Punkt gespielt ist und das Publikum gegangen, sollte das Objekt, das in den Händen des Siegers bleibt, die Geschichte des Ereignisses jenen erzählen können, die es nie miterlebt haben.
Eine zweite Version desselben Entwurfs, auf Schwarz-Weiß reduziert, ist dauerhaft in den Büros von Tennium, dem Veranstalter des Turniers, ausgestellt.
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